io++017 - richard gleim spielt manchmal auch klarinette und macht nicht immer nur fotos.

21.12.07, 18:01:26 von siemers
und erfunden wurde die klarinette (um den saxophon-post von vorhin fortzuführen und varietätisch zu transmodulieren, der jetzt natürlich der blog-logik folgend unter diesem beitrag steht und mensch also erst diesen liest und nicht chronologisch zunächst jenen) für menschen wie eric dolphy (again), peter brötzmann (auch wieder) und richard gleim. "ar/gee" war sein nom de guerre in den kreativwilden frühachtzigern (r/g: get the picture?), als er die verwilderungen und verwucherungen der neuen deutschen musik speziell und zumeist in düsseldorf begleitete, dokumentierte und manchmal situationistisch überhaupt erst schuf (manche ins öffentliche gedächtnis eingeprägte ikone und monstranz jener zeit entstammt seiner leica oder minolta oder was das war; jedenfalls arschteuer); und mit "ar/gee" zeichnet er heute noch die zeitlospoetischen einträge in seinem blog (die tagesaktuellen rumkotzverschwiemelungen zeichnet er mit "knurps", eine u-laut-variante der düsseldorfer radschläger). guurgelt ihn also und euch wird aufgetan (mehr als ihr essen könnt).

und erfunden wurde also die klarinette auch für ihn. gaaaanz früher hat er frei improvisierten dixieland zerebriert, dann kam weniger musik als ausbrechende wirklichkeiten (1968: schaffen!), und erst in der besagten wildzeit nach 1978 fand er sich denn doch endlich wieder auf der bühne mit peter glaser, niklas stiller, zimt und im weissen studio mit schulsport, plan, jajaja und anderen marginalien wieder; als veranstalter veredelte er sogar eines der letzten konzerte der 39 clocks. doch näher als diese wohlgelittenen zerfaserungen standen ihm immer und bis heute bix beiderbecke, jean goldkette und charlie parker. deren improvisationsabschweifungen in die nahzeit zu extrapolieren und in die eigene sprache einzubinden war immer wichtiger als die jungen menschen beim höchstanregenden stümpern und dilletieren in freier wildbahn zu beobachten. (übrigens bin ich bis heute stolz, dass ich ihm nach dem gemeinsamen anhören einer seltenen und seltsamen demo-aufnahme von charlie parker von ungefähr 1946 nachweisen konnte, dass der trompeter nicht, wie von ihm behauptet, miles davis war, sondern natürlich dizzy gillespie. sonst weiss allerdings richard mehr. ist ja auch älter.)

bei archäologischen ausgrabungen in meinen kassettenstapeln (vorgestern; echt!) habe ich ein tape mit solchen klarinettenimprovisationen gefunden. ob richard von diesen aufnahmen weiss oder gar selbst eine kopie hat: keine ahnung. vermutlich nicht. die aufnahmen entstanden wohl so um 1980 herum direkt auf einem schlechten mono-rekorder und machen höllenspass. wir hören heute mal ein paar minuten als bootleg; den rest werde ich mir bei gelegenheit verifizieren und authorisieren lassen. dann kommt vermutlich mehr. die geschichte der frei improvisierten europäischen musik muss nun zwar nicht neu geschrieben werden, doch sie ist um eine wunderbare facette reicher geworden. here we go-go, gnogongo!

|>> richard gleim - (untitled original)

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