spurensicherung - roots and traces #023. greifen-griff-ergriffen. gryphon.

27.10.06, 19:23:11 von siemers
punks, die nur punk mögen, oder, schlimmer noch, nur "punkrock" mögen, oder, noch schlimmer, nur und ausschliesslich punk oder "punkrock" spielen, waren mir immer schon zuwider, da sie das movens, den impetus und den impact von punk nicht verstanden haben. punk war immer ein experiment mit sich selber, mit der musik und mit der umgebenden welt: "no future!" ist nicht das resignieren in gemütlicher hoffnungslosigkeit, sondern eine drohung an die repressive gesellschaft. nun gut. ebenso zuwider sind mir stalinistische free jazz-fanatiker, denen wiedererkennbares oder gar geprobtes vom klassenfeind aus der faschistischen hölle gesandt zu sein scheint; ebenso zuwider die tekkNO-minimalisten, denen trotz der klarheit ihres klangstoffes die ohren verkleistert bleiben; ebenso zuwider ist mir jegliche reine lehre, jeglicher gerade pfad, jegliche grenzbefestigung, jegliches ghetto. die spanischen reiter und die nato-drähte zwischen toller musik und toller musik müssen nicht überwunden oder zerstört werden, sondern sie sind ganz einfach zu ignorieren. es gibt sie nicht. vergesst sie, ab dafür.

was ich also sagen will: ohne den hauch von rechtfertigung heraufdünsten zu lassen: nach punk, industrial, european free improvisation, garagenkraut und anderer selten gehörter musik gilt es nun, einen weiteren schwerpunkt meiner sammlung und meiner leidenschaft zu introducen und zu featuren: folk. folkrock. die verschmelzung von traditioneller volksmusik (die überlieferte musik der völker und der bevölkerungen im unterschied zu volkstümlicher oder nationalistischer musik) mit den klängen der zeitgenossen: aus vielerlei gründen ist diese verschmelzung eher im britischen kulturraum zu finden, auch wenn ougenweide, mittagspause oder das zentralquartett hier durchaus ihre meriten einheimsen sollten. allerdings verweise ich hier und jetzt deutlicher auf die göttliche incredible string band, auf fairport convention (deren verbindung zur european free improvsation zum beispiel über john martyn noch lange nicht tief genug ausgelotet wurde), steeleye span (bin ich der einzige, eigentlich, der maddy prior und cosey fanni tutti als gleich und gleichzeitig zu verehrende verehrt? göttinnen ohne vererdung und in den pork dukes doch wieder in dieser welt), shirley collins (von current 93 als schwarz zu bekittelnde und als hymnisch zu behymende einverleibt), die albion country band, jack the lad, the humblebums, pentangle, the trees, planxty, richard thompson, bert jansch, john renbourn, tim hart, robert wyatt, the work, 49 americans, julie tippet(ts), scaffold, missing persons etc.pp., die als grundlage intensiverer forschungen dienen mögen. zunächst und zuletzt seien hier gryphon erwähnt: wir hören zwei stücke von 1973: ineinander verwoben und dem netz gegeben: "tea wrecks" von der eponymen lp "gryphon" und "failing to demonstrate the necessarily incommunicable nature of a personal realisation" von der erst 1995 in italien erschienenen "collection II". tolle musik ist wie gesagt tolle musik.

|>> gryphon - cucumbering

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